Ein Jahr sind wir nun schon unterwegs. Ein Jahr Leben, Lernen und Wachsen auf dem Meer. Es ist kaum zu glauben, wie selbstverständlich das Leben an Bord für uns geworden ist. Das Schaukeln der Wellen, der Wind in den Segeln, das Gefühl von Freiheit und manchmal auch Chaos, Adrenalin und purem Glück. Unsere Etappe von Bequia nach Grenada war wieder einmal alles, nur nicht langweilig.

Kaum waren die Segel gesetzt, ruckte plötzlich die Angel. Ein Schwertfisch! Und das genau in dem Moment, als unser Autopilot seinen Dienst quittierte.
Also übernahm Ludowika das Steuer. In der einen Hand das Rad, in der anderen das Funkgerät, um mit unseren Freunden zu sprechen, die sich über unseren merkwürdigen Kurs wunderten. 😂
Währenddessen half Dorothea, das Vorsegel einzuholen, und Jakob kämpfte an der Angel. Der Fisch zog, Jakob zog und beide gaben alles. Und als Jakob den riesigen Schwertfisch schließlich backbordseitig am Boot hatte und schon mit dem Haken ausholte .. zack! .. riss der Fisch sich los. Ahhhhhhhrrrrg! Wir hätten tagelang davon essen können. Bestimmt 1,5 Meter lang war der!
Zumindest funktionierte der Autopilot danach wieder (ein Wunder?) und die Angel ging gleich mit neuem Köder zurück ins Wasser. 😄
Ein Erlebnis, das uns einmal mehr zeigte, wie sehr wir als Familie zusammenhalten und was unsere Kinder schon alles draufhaben. Stolz, Dankbarkeit und pure Freude. Das sind die Momente, für die wir diese Auszeit gewählt haben.

  • Ärgert er sich? …

Canouan hat uns überrascht. Eine Insel im enormen Wandel. Viele Häuser sind noch vom Hurrikan zerstört, vieles wird neu aufgebaut: aus Holz, Containern oder Ziegelstein. Überall wird gearbeitet, geschraubt, gemalt. Und doch wird es noch seine Zeit dauern bis alles wieder beim Normalen ist. Denn eingekauft wird zum Beispiel nicht in einem Geschäft sondern aus dem Laderaum eines LKW’s.
Was sofort auffällt: die Freundlichkeit der Menschen. Beim Spaziergang hielt ein Auto an, der Fahrer lächelte und sagte: “Thank you for visiting our island.” So herzlich, so ehrlich und dankbar.

Rund um unser Boot tummelten sich unzählige große Seesterne, das Wasser schimmerte in türkisblauen Nuancen, einfach schön.
Die Insel trägt ihren Beinamen „Turtle Island“ zu Recht. Überall begegneten wir Schildkröten, vor allem nach einem Regenschauer, wenn sie zu Dutzenden aus dem Dickicht auftauchen.

Die Marina auf der Westseite ist modern, gepflegt und großzügig. Kaum zu glauben, dass ein irischer Milliardär hinter all dem steckt, der offenbar auch auf den Nachbarinseln investiert, Arbeitsplätze schafft und den Wiederaufbau unterstützt.


Ein kleine Besonderheit war das Musikfestival direkt neben unserem Ankerplatz. Am ersten Abend dröhnten die Bässe bis tief in die Nacht. Das war nicht unbedingt schlaffördernd. Doch am zweiten Tag erfüllten Live-Musik und Instrumentalklänge die Bucht. Einfach toll! Die Kinder spielten mit Freunden, während wir Eltern den Sonnenuntergang zur Musik genossen. (SV Aquilon hat es endlich geschafft zu uns aufzustoßen und Schweizer Freunde der SV Priscilla gesellten sich zu uns.)

  • Hier ist die Freude der Kinder schon von weitem zu sehen <3 🙂

Beim Schnorcheln auf der Atlantikseite fanden wir ein riesiges Riff, nur für uns. Ich entdeckte meine erste große Conch-Muschel, Gabriel von der Aquilon gleich zwei weitere. Das Abendessen war gesichert! Die Männer lösten am Abend das Fleisch heraus. Was nicht ganz einfach war und bei der ersten mehrere Versuche benötigt wurden. Wir Frauen säuberten es am nächsten Tag, und die Kinder polierten die Muscheln, bis sie glänzten. Später wurden daraus richtige Triton-Hörner. 😁

Nur eine Stunde von Canouan entfernt liegt das kleine Paradies Mayreau. Genau so, wie sich die meisten die Karibik vorstellen. Weißer, feiner Sand, türkisfarbenes Wasser, Palmen ringsherum, alles ruhig, friedlich und wunderbar entschleunigt.

Wir wanderten über die Insel und sahen, dass auch hier der Hurrikan Beryl Spuren hinterlassen hat. Einige Häuser sind immer noch zerstört, vieles wird liebevoll neu aufgebaut. Viele Arbeiter kommen aus Nachbarländern, um beim Wiederaufbau zu helfen. Trotz allem spürt man eine tiefe Ruhe und Lebensfreude.

Es gibt ein paar Restaurants und Bars, doch vieles ist noch geschlossen. Auf der Ostseite wird gerade kräftig gebaut. Wunderschöne kleine Resorts entstehen dort, und man wünscht den Menschen, dass in der kommenden Saison das Leben hier wieder aufblüht.

Und dann war da noch unser ganz persönlicher Grund zum Feiern. Ludowika hat ihre erste Klasse erfolgreich abgeschlossen! 🎉 Wir sind sooo stolz auf sie. Schulalltag auf dem Boot mit Wellen, Delfinen, Segelmanövern und Mama als Lehrerin. Ist eben doch etwas ganz Besonderes. Jetzt geht’s ins zweite Schuljahr auf See!

Die Überfahrt nach Union Island war traumhaft. Perfekte Bedingungen, 7–8 Knoten Geschwindigkeit, das Boot lief wie auf Schienen. Doch die Insel selbst hat schwer gelitten. Union Island gilt als eine der am stärksten zerstörten Inseln der Karibik nach dem Hurrikan Beryl 2024. Überall sieht man Wiederaufbau, Trümmer, Hoffnung und Durchhaltewillen.
Die Menschen hier beeindrucken uns immer wieder. Mit ihrer Kraft, ihrem Humor und ihrer unerschütterlichen Freundlichkeit.

Ein kurzer Zwischenstopp auf Carriacou zum Einklarieren. Während Jakob sich um die offiziellen Formalitäten kümmerte, hatten die Mädels Schule an Bord. Am nächsten Morgen ging’s schon weiter. Das Wetter war unbeständig, also hieß es “Leinen los und Kurs Grenada!“

Die Überfahrt nach Grenada war wieder einmal ein Fest. Wind, Sonne, Wellen, alles passte. Wieder biss ein Schwertfisch an, doch die Angel hielt diesmal nicht stand. Statt Fisch gab’s ein kleines „Wortgefecht“ zwischen Jakob und den Weißbauchtölpeln, die den Köder für ihre Beute hielten. „Ahhr, ahhr!“ schrien die Vögel und „Nein, meins!“ rief Jakob zurück. Wir haben uns kaputt gelacht mit den Mädels. 😂

Auf der Insel angekommen, ging’s direkt ins Wasser. Schnorcheln, Regenwald erkunden, Früchte sammeln: Mangos, Kakaofrüchte, Kokosnüsse und Kalabasch.

Zwei Tage später wechselten wir die Bucht in Richtung Süden der Insel. Es ging zur Hauptstadt Grenadas, St. George’s selbst. Ein quirliger, fröhlicher Ort mit bunten Marktständen, Gewürzen und frischem Obst an jeder Ecke. Besonders begeistert waren wir vom Besuch im Grenada Chocolate House. Ein wahres Paradies für Schokoladenliebhaber.
Hier wird Schokolade von der Bohne bis zur Tafel handgefertigt, und das mit so viel Leidenschaft, dass man es in jedem Bissen schmeckt. Wir erfuhren, dass Grenada zu den wenigen Orten der Welt gehört, wo Kakao in reiner Handarbeit angebaut, fermentiert, getrocknet und verarbeitet wird. Alles nachhaltig und fair.
Die Kinder durften selbst Kakaobohnen probieren, und danach gab es die belohnende heiße Schokolade. Cremig, würzig, leicht herb und einfach ein Traum! Auch die Cocoa-Nibs-Drinks waren eine Geschmacksexplosion. Kalt, schokoladig und mit einem Hauch Vanille, Zimt und Muskatnuss. Das war definitiv nicht unser letzter besuch hier. 😉

Auch Ludowikas Piraten-Geburtstag wurde hier gefeiert. Regen hin oder her, das Boot wurde kurzerhand zur Schatzinsel. Mit Schatzsuche, Piñata und jeder Menge Spaß wurde es ein wundervoller Tag mit Freunden.

Nach unserem Stopp in St. George’s segelten wir weiter in den Süden der Insel, in die weite und gleichzeitig geschützte Prickly Bay. Hier hieß es für uns: warten. Warten auf das richtige Wetterfenster für die Überfahrt nach Trinidad.
Die Zeit verging wie im Fluge. Die Mädels spielten stundenlang am Strand mit ihren Freunden, sammelten Muscheln, bauten Burgen, tobten sich im Wasser aus. Wir Erwachsenen dachten in der Zwischenzeit oft über das Bevorstehende nach: Trinidad. Das Trockendock. Die Arbeiten. Die Hitze. Die Ungewissheit, wie lange wir tatsächlich an Land (auf unserer Popucu) leben und arbeiten würden. Und doch war da auch diese kribbelnde Vorfreude. Ein neues Land, ein neuer Abschnitt, neue Herausforderungen. Wir wussten, dass dieser Schritt wichtig war, um unser schwimmendes Zuhause fit für die kommenden Monate zu machen.

Während wir in Prickly Bay auf das richtige Wetterfenster warteten, spürten wir wieder einmal, was dieses Leben mit sich bringt. Das Schöne, das Wilde, aber eben auch das Anstrengende. Natürlich gibt es an Bord Momente, die uns fordern. Das Leben auf engem Raum, 24/7 mit den Kindern, ständige Veränderungen, Phasen, in denen jeder an seine Grenzen kommt. All das ist manchmal intensiver, als man es von außen sieht.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, fühlen wir uns hier so richtig. Wir wachsen an den Herausforderungen, wir halten zusammen, wir finden jeden Tag neu zueinander.
Genau diese Mischung aus Abenteuer, Nähe und Wachstum macht unser Leben an Bord zu etwas Einzigartigem. ❤︎


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